Unterricht im Takt der Turmuhr

Turmuhr der Friedrich-Bergius-Schule

(Mai 2012) Drei Mal schlägt die Glocke der Turmuhr, wenn Michael Rudolph das Gebäude betritt. Drinnen ist es still. Nur auf dem Perelsplatz vor dem Schulhaus gibt eine Schar Spatzen ihr Morgenkonzert. Es ist 4.45 Uhr.

Wenn der Rektor der Friedrich-Bergius-Schule die Klänge eines für ihn typischen Arbeitsmorgens aufzählt, geht es viel um Regelmäßigkeit und Ruhe.

Rudolph setzt – noch allein im großen Schulhaus – Kaffee auf und schaltet den Kopierer ein. Er genießt die Stille des Morgens und widmet sich den Papieren auf seinem Schreibtisch. Bald kommen die stellvertretende Schulleiterin und der Hausmeister, gemeinsam besprechen sie den bevorstehenden Tag.

Ab 6 Uhr klingeln die Telefone. Die Eltern sind angehalten, kranke Kinder vor Unterrichtsbeginn abzumelden. Wer unentschuldigt fehlt, bei dem ruft die Schulsekretärin zu Hause an, um nachzufragen.

Um 6.30 läutet es an der noch verschlossenen Schultür. „Es kommen Schüler, die pädagogisch ein kleines Problem haben, die z.B. öfter zu spät gekommen sind. Die müssen sich dann mal eine Stunde früher, als der eigentliche Unterricht beginnt, in der Schule melden und unter Anleitung des Hausmeisters eine gemeinnützige Tätigkeit leisten.“

Gegen 7 Uhr wird es munter im Schulgebäude. Die Lehrerinnen und Lehrer treffen ein und kurz darauf auch die Schülerinnen und Schüler. Mit dem Glockenschlag um 7.30 Uhr wird die Schultür verschlossen. Wer nicht rechtzeitig erschienen ist, darf erst zur zweiten Stunde in die Klasse. „Wenn am Beginn des Unterrichts alle 5 Minuten einer reinkommt – das bedeutet, dass für die ganze Gruppe diese erste Stunde eigentlich kein richtiger Unterricht ist. Wieso hat ein Einzelner, der nicht in der Lage ist, seinen Wecker zu stellen, die Berechtigung, die Gruppe zu beeinträchtigen? Die, finde ich, hat er nicht.“

Michael Rudolph ist Rektor der Friedrich-Bergius-Schule

Michael Rudolph vergleicht die Schule mit einem Uhrwerk. In regelmäßigen Abständen, ertönt die Pausenklingel, dann wird es lebhaft. Ansonsten ist es still in den Gängen des alten Gebäudes. „Wenn der Unterricht läuft, hört man eigentlich gar nichts, weil wir Wert darauf legen, dass die Schüler im Unterricht zumindest keinen Lärm machen und sich ruhig verhalten und eben lernen.“

In der Friedrich-Bergius-Schule hat man sich das Ziel gesetzt, die Schülerinnen und Schüler an ihre Leistungsgrenzen zu führen. „Das halten wir für den Sinn von Schule überhaupt. Wenn man bedenkt, warum eine Gesellschaft eine Schule überhaupt betreibt, was ja eine teure Institution ist, dann ist es doch immer der Gedanke, den Schülern das mitzugeben, was sie später im Leben brauchen, um dann selber Träger der Gesellschaft zu werden. Das kann man nicht, indem man faul ist und nichts tut, sondern das kann man nur, indem man gelernt hat, sich anzustrengen, Wissen zu erwerben, Wissen anzuwenden. Darum bemühen sich hier die Lehrer...“

Dabei setzt man auf Stringenz und Struktur. In den Medien wird Rudolph als strengster Rektor Berlins tituliert. Er selbst bezeichnet seine Pädagogik lieber als konsequent. „Sie beruht darauf, Regeln aufzustellen und die dann auch einzufordern. Und bei Bedarf auch kleinere Sanktionen auszusprechen, damit die Regeln eingehalten werden.“

Das Versprechen eines strukturiert geführten Unterrichtsbetriebs und die große Medienpräsenz bescheren der Schule, die noch vor sieben Jahren wegen Schülermangels aufgelöst werden sollte, heute mehr Anmeldungen, als sie Plätze bereitstellen kann. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus allen umliegenden Stadtgebieten. Und wenn sie, von der der S- oder U-Bahn am Bundesplatz kommend, in die Isoldestraße einbiegen und die Schulglocke zwei Mal schlagen hören, wissen sie, dass sie der Hausmeister mit Besen und Kehrschaufel erwartet.

Jedes Jahr zum Tag des Denkmals ist die Schule für Gäste geöffnet. Dann kann man neben dem kleinen Stadtteilmuseum, das im ehemaligen Lehrmittelzimmer untergebracht ist, auch die 110 Jahre alte Uhr im Schulturm besichtigen. 

 

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